TheAchterbahn Gratis bloggen bei
myblog.de

Kapitel 5

 

„Hey, das ist doch süß“, erwiderte ich. „Ja, na ja, ich weiß nicht… wieso macht er das denn? Ich meine, ein Junge küsst doch nicht einfach so ein fast fremdes Mädchen, oder?“ Ich dachte nach, sagte aber dann: „Na ja, eigentlich nicht, aber das ist doch echt süß von ihm. Und ihr würdet echt gut zusammenpassen“, ich musste grinsen. Die wären doch wirklich ein süßes Paar. „Woah Julie!“, ich hörte den genervten Unterton, „Dass du immer gleich an so was denken musst…“

„Na, ist doch wahr“, entgegnete ich lachend, da kam meine Mutter ins Zimmer und gab mir per Handzeichen zu verstehen, dass ich runter kommen sollte. „Du, Lili, sorry, ich muss aufhören“

„Ja, okay… also… bis dann ciao“, irgendwie kam es mir so vor, als ob sie ein bisschen traurig wäre. Ich hätte ja auch noch viel lieber mit Lili weitertelefoniert.

Aber da konnte ich ja jetzt leider nichts machen. So wie meine Mutter schaute, duldete das keinen Widerspruch. Also verabschiedete ich mich. „Ciao… hab dich lieb“ Dann legte ich auf und folgte meiner Mutter runter in die Küche. Schon an ihrem Blick merkte ich, dass etwas nicht stimmte.

„Julia, setz’ dich bitte“, sagte mein Vater, der auch schon am Tisch saß.

Kommentarlos setzte ich mich ihm gegenüber und meine Mutter schloss die Tür. „Wir möchten dir jetzt etwas sagen, dass wir dir schon so lange sagen wollten, aber es eben nie geschafft hatten“ Ich verdrehte die Augen. Was kam denn jetzt bitte?

„Also… wir… wir…“, stammelte sie. „Ach scheiße, ich kann das nicht!“, oha, meine ach so höfliche Mutter fluchte? Das war ja eine ganze neue Seite von ihr. „Also dann die Kurzfassung“, begann mein Vater, „Wir sind nicht deine leiblichen Eltern, sondern die Kramers und du hast noch eine Zwillingsschwester, die heißt Marie und wir dachten einfach, dass es jetzt an der Zeit ist, dir das zu sagen“ Ich sah ihn ungläubig an. Das kann doch nur ein Scherz sein. „Mama… bitte… das… komm, bitte verarscht mich nicht so!“, ich war schon etwas unsicher. „Es stimmt aber alles…“, sie wich meinem Blick aus. „Nein, das… das glaub’ ich jetzt nicht! Ich mein’, das kann doch nicht sein! Ihr habt mir 15 Jahre lang verschwiegen, dass ich eigentlich gar nicht eure Tochter bin?“, ich schrie sie fast an. „Ja und, jetzt weißt du es, also“, sagte mein Vater, nein, falsch, sagte Simon Neumann, ohne jegliches Gefühl. Ich stand auf, zischte: „Das ist echt das allerletzte!“, und verließ die Küche. Oben im Bad schloss ich mich ein.

Ich setzte mich neben das Waschbecken auf den Boden und merkte gar nicht, wie mir unzählige Tränen von den Wangen liefen. Das können die doch echt nicht bringen. Ich saß eine Weile einfach so da und starrte ins Nichts, da klingelte mein Handy. Ich registrierte es erst ziemlich spät, gib aber doch ran, ohne auf das Display zu schauen. Mit halbwegs normaler Stimme meldete ich mich.

„Ja?“

„Julie? Hi, hier ist Jo. Wollte eigentlich nur mal so fragen wie’s dir geht und so. Muss dir dann auch noch was erzählen“, sprudelte es aus Jo heraus.

„Ja, also… mir geht’s ganz gut… ist eben langweilig“, meinte ich, bemüht nicht zu verheult zu klingen. Ich hatte jetzt einfach kein Bock auf Mitleid.

„Och Julie, was ist denn los? Du klingst voll traurig…“, stellte er fest.

„Nein, es… es ist nichts… wirklich“, ich versuchte die Tränen runterzuschlucken.

„Doch, ich merk’ doch dass was ist!“

„Es ist nichts verdammt“, sagte ich und schon wieder liefen mir Tränen über’s Gesicht.

„Julie? Was ist los? Wenn du’s mir jetzt nicht sagst, dann komm ich eben zu dir“, sagte er schon etwas panisch.

„Dann mach’ doch“, sauer legte ich auf. Obwohl Jo jetzt am allerwenigsten etwas dafür kann. Das wusste ich und ich hätte ihn am liebsten gleich zurückgerufen und mich entschuldigt.

Aber ich machte es nicht. Stattdessen durchsuchte ich den Schrank. Ich wusste genau was ich jetzt wollte. Endlich fand ich die Klinge. Sie glitzerte so schon im Licht der untergehenden Sonne, das durch den runtergelassenen Rollo herein schien. Ich drehte ich die Klinge noch mal in meiner Hand, setzte sie dann an meinem Arm an und drückte zu. Zentimeter für Zentimeter drang sie tiefer in meinen Arm ein. Zuerst tat es höllisch weh, doch als das Blut über meinen Arm floss, fühlte ich mich erleichtert. Wie sehr hatte ich dieses Gefühl vermisst. Doch es hörte nicht auf zu bluten. Langsam bekam ich Panik, ließ die Klinge achtlos fallen und schnappte mir irgendein Handtuch. Ich versuchte das Blut aufzuhalten, was mir nach einiger Zeit auch ein wenig gelang. Mein ganzer Arm brannte, so tief hatte ich noch nie geritzt.

An der Tür klopfte es und ich erschrak erstmal furchtbar. Dann hörte ich die gedämpfte Stimme meiner Mutter – ach Quatsch, die Stimme von Sabine Neumann: „Julie? Du hast Besuch…“

„Ja, ich komme gleich!“, antwortete ich. Ich hörte noch kurzes Stimmengewirr, dann war es ruhig. Scheiße, was mache ich denn jetzt? Mein Arm hatte aufgehört zu bluten, ich schmiss das Handtuch ins Waschbecken und ließ jede Menge kaltes Wasser drauf laufen, kippte die halbe Flasche Flüssigseife dazu. Meinen blutverschmierten Arm wusch ich schnell mit der Duschbrause ab und streifte den Ärmel meines – Gott sei Dank schwarzen – Pullis wieder herunter. Nachdem ich das Handtuch ausgewrungen hatte, schmiss ich es ganz hinter in den Schrank unter ein paar andere Handtücher. Das werde ich bei Gelegenheit noch richtig waschen.

„Julie? Komm’ doch mal raus! Bitte! Ich mach’ mir echt Sorgen!“, das war doch Jo’s Stimme. Er war wirklich gekommen. Ich schluckte, sagte aber dann: „Jaa, ich komm’ ja schon“ Noch schnell die Klinge in eine Schublade geschmissen, dann sperrte ich wieder auf.

Jo umarmte mich erstmal fest, dann sagte er: „Mensch, Julie! Was ist denn los?“ Ich zögerte. „Können… können wir irgendwo hin raus gehen?“, fragte ich dann. „Ja, klar, kein Problem“, meinte Jo und wir stiegen die Treppe hinunter.

Unten hielt mich meine „Mutter“ kurz auf und meinte, dass sie es mir später noch genauer erzählen würde, wenn ich mich wieder beruhigt hätte. Darauf sagte ich nichts, sondern ging mit Jo aus der Tür.

 

Als wir etwas außerhalb von Augsburg waren, erzählte ich ihm alles. Von Anfang an. Und schließlich auch, dass ich mich ritzte. Das hatte ich noch keinem gesagt. Aber Jo – er hatte irgendetwas, das Vertrauen in mir weckte. Obwohl ich ihn erst seit ein paar Tagen kannte. Wir setzten uns auf eine Bank. Ich glaube ich hatte schon länger während des Erzählens geheult, aber erst jetzt fiel es mir auf. Daraufhin nahm mich Jo in die Arme. Dabei streifte er auch meinen linken Arm und ich zuckte zurück. Er sah mich verwirrt an. „Was ist denn?“

„Ach, nichts, sorry, ich… ach scheiße, ich hab’s wieder gemacht. Vorhin“, gestand ich ihm und sofort stiegen mir neue Tränen in die Augen. „Och, Süße! Was machst du denn nur für Sachen?“, murmelte er und drückte mich, darauf bedacht, meinen Arm nicht zu berühren. „Ich weiß nicht, ich… das war alles… alles zu viel für mich… dass ich noch eine Zwillingsschwester habe und meine… meine ‚Eltern’ gar nicht meine richtigen Eltern sind und…“, stammelte ich. Ich legte meinen Kopf auf seine Schulter und wir saßen einfach so da.

Nach einer Weile, als ich mich wieder einigermaßen beruhigt hatte, fragte Jo: „Sollen wir wieder zurück gehen?“ Ich nickte. Er sah mich an. „Und jetzt musst du erstmal auf andere Gedanken kommen, ja?“, sagte er, wischte mir eine letzte Träne aus dem Gesicht und lächelte mich an. Leicht lächelte ich zurück und wir gingen Hand in Hand wieder zurück in die Stadt.

 

Daheim angekommen, sah ich weder Sabine, noch Simon oder Jessy. Ich dachte mir nichts weiter dabei, mir war es sogar recht, dass sie nicht da waren. Wir saßen auf dem Bett und redeten über Gott und die Welt. Es tat gut, endlich mal wieder so offen mit jemandem zu reden. Klar, das konnte ich mit Lili auch, sie war schließlich meine beste Freundin aber mit Jo war das einfach irgendwie anders.

„Und weißt du was?! Ich hab’ Fabi und Lili gesehen, wie er sie geküsst hat. Und dann hab’ ich mir gedacht, die zwei wären doch ein echt süßes Paar“, erzählte er mir lachend. Ich musste grinsen. Ich erzählte ihm von meiner Beobachtung im Park vom Krankenhaus und meinte dann: „Du, ich hab’ ’ne Idee. Wir könnten die zwei doch verkuppeln…“

„Ou ja, das wird lustig!“, wir lachten und überlegten uns, wie wir das jetzt genau machen wollten.

 




Fanfiction

Kapitel 1-10 Kapitel 11 Kapitel 12 Kapitel 13 Kapitel 14 Kapitel 15 ///

Zusatz Fanfictions


///


Home

Einstieg Schwarzes Brett Kontakt Abonnieren

Extras

die Autoren //////

Links

Links Partnerschaft?



Video